Rund Fünen

In die dänische Südsee bis Anholt führt uns unser zweiter Törn. Eigentlich haben wir uns vorgenommen, es ruhig angehen zu lassen. Aber was soll ich sagen: Nach wie vor gefällt es uns am besten auf dem Wasser, dem Wind und den Wellen ausgesetzt. Deshalb sehen wir weniger Land, sammeln dafür aber mehr Segelerfahrung. 474,2 Seemeilen stehen am Ende im Logbuch.

12. September: Schleimünde – Kieler Förde
Um 15.30 Uhr schreiben wir: Fest in der Kieler Förde ins Logbuch. Wir fühlen uns erholt wie lange nicht und haben ordentlich was gelernt (auch wenn wir weniger MOB geübt haben als geplant). Und vor allem begrüßen uns Anne und Robert, Nora und Johann am Steg – mit so vielen Würstchen, dass zum ersten Mal auf diesem Törn unser großer Topf zum Einsatz kommt. Gemeinsam schippern wir die Innenförde lang, Johann steuert wie ein Großer. Und dann packen wir – schweren Herzens – für die Heimfahrt.


11. September: Ærøskøbing – Schleimünde
Mit ordentlich Wind steuern wir Schleimünde an, und wer uns kennt, weiß, wie sehr wir uns auf diesen Hafen freuen. Die Giftbude hat geöffnet, die Schlei-Skipper liegen schon wieder im Päckchen. „Der letzte Tanz“ singt Bosse, wir trinken auf den letzten Urlaubsabend – ehe wir den Heimathafen erreichen.


10. September: Avernakø -Ærøskøbing
Ærøskøbing ist mit einem Wort bezaubernd. Es gibt wieder wunderschöne bunte Häuser (jedes mit einem Spiegel zur Straßenbeobachtung versehen) und kleine Strandhütten, von denen eine liebevoller gestaltet ist als die andere. Wir merken die Nachsaison: Kaum jemand ist noch unterwegs, weder im Hafen noch in dem Dörfchen.


9. September: Hafentag Avernakø
Wir legen einen Hafentag ein und bummeln über die Insel, begegnen Königin Margarete und sind ein bisschen traurig, dass der Törn so langsam, aber sicher zu Ende geht.


8. September: Lyø – Avernakø
Eigentlich wollen wir Dyreborg besuchen, das Hafenhandbuch spricht zwar von einem sehr kleinen und oft überfüllten Hafen – doch wir sind schließlich außerhalb der Saison und mit einem kleinen Boot unterwegs. Was soll uns also passieren? Gut gelaunt steuern wir den Spot mit viel Natur an, sehen zwar einige Masten in einem wirklich winzigen Hafen, aber eben auch eine Lücke. Kaum passieren wir die Hafeneinfahrt, wollen wir auch nur noch raus. Denn auf dem scheinbar freien Platz liegt ein Motorboot (ohne Mast) und direkt in der Einfahrt ein riesiger Trimaran. Uns bleiben Bruchteile von Sekunden, in denen Roland das Boot mit lautem Motor und unter den Augen der anderen Skipper auf der Stelle dreht (während Antje filmreif kreischt. Nach drei Minuten liegt der Hafen hinter uns – und wir entscheiden uns nicht ganz freiwillig für Avernakø.

7. September: Mjels (Dyvig) – Lyø
Der Tag startet mit frischen Brötchen (prima) und einem MOB (naja). Danach verzichten wir auf das Groß und lassen uns von der großen Genua nach Lyø ziehen. Mit dieser Segelwahl überholen wir die anderen Boote, sodass wir entsprechend viele freie Boxen im Hafen finden. Wir entscheiden uns für einen Platz an der Stegmitte, schließlich hatten wir im vergangenen Jahr gesehen, wie ein Boot trocken gefallen war. Kaum sitzen wir entspannt im Cockpit, kommen die anderen Boote an – zumeist Ausbildungscrews mit waghalsigen Manövern. Antje schaut wie immer interessiert zu und bangt bei jedem Versuch mit. Jenseits des Segelns widmen wir uns der Bilge: Bier ist ausgelaufen, und die Kartoffeln sind zu neuem Leben erwacht.


6. September: Bågø – Mjels (Dyvig)
Der Wind bläst ordentlich über das Kattegat, als wir die Dyvig ansteuern. Dieser wunderschöne Landstrich lockt uns erneut, und wir werden in Mjels nicht enttäuscht. Wind, Sonne, Landschaft, Eis – besser geht ein Segeltag nicht. Hafenmeisterin Karen kassiert denn auch erst abends, als alle Wasserratten entspannt in den Cockpits liegen.


5. September: Bogense – Bågø
Wir kreuzen, kreuzen, kreuzen. Bis Middelfart kämpfen wir uns durch kräftige Regenböen, werden dann aber entschädigt von einem tollen Wind, der uns nach Bogense schiebt. Der kleine Hafen gilt als überlaufen, aber wir haben Glück zu dieser Jahreszeit und bekommen eine gute Box. Die Insel wirbt damit, besonders flach zu sein – und so misst die höchste Erhebung auch nur acht Meter. Insgesamt 29 Menschen wohnen dort, ihre Postkästen befinden sich direkt am Hafen. Nach den schönen Spots der vergangenen Tagen reizt uns die Insel aber nicht für einen nächsten Besuch.


4. September: Endelave – Bogense
Auch Bogense zählt zu den Häfen, die wir noch nicht besucht haben. Also steuern wir die Marina an, die uns wegen ihrer Größe eine Betonburg vermuten lässt. Weit gefehlt. Bogense punktet mit alter Fachwerkkulisse, dem kleinsten Haus, dem ältesten Haus auf Fynen und einem Manneken Pis. Dass wir eine frische Scholle direkt am Hafen kaufen können, begeistert uns geradezu. Und als Tipp: Am Ende des engen und sehr schönen Traditionshafens findet sich ein Becken mit 2,50 Meter Wassertiefe zum Festmachen und Wenden.


3. September: Tunø – Endelave
Was soll ich sagen: In Endelave ist Waschtag, auch das muss mal sein.


2. September: Samsø (Ankerbucht) – Tunø
Bis vor kurzem kannten wir die Zwergeninsel Tunø gar nicht, jetzt schließen wir sie sofort ins Herz. Nach nur einem kurzen Schlag legen wir in dem niedlichen Hafen fest und starten die Insel-Umrundung zu Fuß. Die Landschaft ist wunderschön, Strände und Steilküste wechseln sich ab. Unterbrochen wird das Idyll für eine Landebahn, auf der reiche Dänen mit ihren Flugzeugen ankommen und abheben können. Keine drei Stunden dauert der Fußmarsch, dann sind wir wieder am Hafen. Eine Besonderheit: Die Insel ist so klein, dass der Kirchturm auch als Leuchtturm fungiert.

01. September: Samsø/Langør – Samsø (Ankerbucht)
Unser Proviant braucht dringend eine Auffrischung, und so radeln wir erst nach Tranebjerg zum Geldautomaten, dann zum Super Bruggsen und schließlich zum Bio-Bauernhof. Zu spät merken wir, dass sich unser Favorit aus dem vergangenen Jahr in Alstrup befindet. Egal: Eier, Salat, Möhren, Kartoffeln gibt es überall frisch und reichlich. All das verstauen wir und verlegen uns abends in die Ankerbucht, wo wir einmal mehr auf die Suche nach den Mettenden gehen. Die finden sich nicht an, dafür aber der Einkaufsbon aus Kiel. Und was sollen wir sagen: Roland hat sie gar nicht aufs Band gepackt und gekauft. Immerhin müssen wir nicht weiter nach ihnen fahnden.

31. August: Anholt – Samsø/Langør
So entspannt der Schlag nach Anholt war, so nervig ist der zurück. Der Wind kommt achterlich und sorgt für eine elende Schaukelei. Kurz sind wir versucht, nach Ebeltoft zu fahren. Doch wir halten tapfer durch bis zum Sehnsuchtsort Langør. Allerdings verabschiedet sich bei einer der Patenthalsen (mal wieder) der Spanner vom Traveller. Immerhin verfügen wir jetzt über Ersatz in der Werkzeugkiste, das schreckt uns also nicht mehr. Und Langør bietet freie Platzwahl, wenigstens etwas.

29./30. August: Hafentage Anholt
So weit im Norden, das kostet zwei Hafentage. Erst erkunden wir zu Fuß die Insel und wundern uns über merkwürdige Absperrbänder auf der Erde – sie markieren die Halbmarathonstrecke, wie wir später erfahren. Den Wettkampf haben wir verpasst. Dafür finden wir den Kro, in dem Roland und Caro und andere von der Jonas einst einkehrten, bis Caro, nun ja, die Hafenmole … Ihr kennt die Geschichte 🙂
Am nächsten Tag reizt uns die Wanderung zum Leuchtturm. Einen Teil der Strecke können wir mit dem Rad fahren, dann laufen wir los. Zum Glück hatten wir vorher noch Zimtschnecken und Limonade gekauft. Beides rettet Antje vorm sicheren Tod. Denn die Sonne knallt vom Himmel, Schatten fehlt völlig, Dünen säumen unseren Weg. Landschaftlich sicherlich ein Traum. Aber Antje will in der Ostsee baden und nicht auf einer Insel schmelzen. Immerhin weiß sie jetzt, weshalb Anholt zum Wüstengürtel gehört.


28. August: Samsø/Langør – Anholt
Antje kennt Caro nicht, aber die Geschichte, wie sie als Passagierin auf der Jonas in Anholt die Hafenmole samt Fahrrad runterpurzelt. Damit wir sie nicht vergessen, erzählt Roland die Geschichte noch einmal auf dem 60 Seemeilen langen Törn (für den wir gefühlt mitten in der Nacht um 5 Uhr aufstehen). Wir kommen gut voran bei starkem Wind und zwei Knoten Strom, sodass wir um 16 Uhr im Hafen anlegen. Auch dort gibt es reichlich Platz an den Stegen, einige Boote legen sogar längs an. Was sollen wir sagen: Es regnet den ganzen Tag, und das, obwohl Anholt eigentlich zum dänischen Wüstengürtel gehören soll.

27. August: Hafentag Samsø
Wenn wir schon auf Samsø sind, dann bleiben wir auch hier. Deshalb spazieren wir erst bei Regen durch die blühende Heide und radeln am Nachmittag nach Nordby, einer pittoresken Stadt mit Weiler. Eigentlich möchten wir gern auf Bauernhöfen einkaufen, doch uns fehlen noch immer die nötigen Kronen. Zum Glück treffen wir eine Familie aus Deutschland, die Euro in Kronen tauscht. Mit Tomaten, Brokkoli, Blumenkohl und Porree im Fahrradkorb geht es zurück. Samsø-Gemüse ist einfach nur lecker.


26. August: Kerteminde – Samsø/Langør
Nach dem Ablegen gegen 8 Uhr begleitet uns steter Wind aus Süd, und wir kommen gut voran. Doch am Mittag schläft der Wind ein, für Unruhe im Boot sorgt alter Schwell – deshalb nehmen wir die Segel runter und machen den Motor an. Gemütlich tuckern wir an den vielen Inselchen vorbei bis Langør, wo überraschend viel Platz im Hafen ist. In der Nacht stürmt es, die Böen treiben das Wasser in die Bucht. Um gut 30 Zentimeter steigt der Wasserspiegel in dieser Nacht, immer wieder schauen wir, ob die Festmacher halten. Sie machen ihren Job – im Gegensatz zur Kuchenbude, die zeigt am Morgen einige Blessuren.


25. August: Trønse – Kerteminde
Unter Vollzeug legen wir um 8 Uhr ab, doch dann frischt der Wind ordentlich auf – nachmittags bis 15 Knoten. Deshalb legen wir gegen 14 Uhr das erste Reff ein, eine knappe Stunde später passieren wir die Storebeltbrücke, um 18 Uhr liegen wir dann sicher in Kerteminde. Es droht eine stürmische Nacht, doch wir bleiben gelassen an unserem Steg.


24. August: Hafentag Trønse
Flaaaaute. Nachdem sich der Hafen geleert hat, legen wir unter Motor an einem Steg an und erkunden das Dorf mit Fachwerkhäusern, Schloss Valdemar – am Nachmittag kommen erstmals auch die Fahrräder zum Einsatz. Am Abend wollen wir Mettenden braten, doch die finden sich trotz intensiver Suche nicht an. Dabei bietet unser Boot gar nicht so viele Versteckmöglichkeiten. Egal. Es gibt vegetarische Kost.


23. August: Marstal – Trønse
Regen, Regen, Regen. Bis zum Mittag gießt es vom Himmel, und wir starten deshalb erst gegen 15 Uhr nach Trønse. Als wir um 19 Uhr ankommen, ist der Hafen gut gefüllt – ein Segelboot signalisiert mit Fendern, dass wir längsseits gehen könnten. Wir entscheiden uns aber für eine Boje. Pech. Denn das andere Boot gehört Birgit und Jürgen, die wir in Svendborg vermutet hatten. Das stellen wir aber erst am nächsten Morgen fest.

22. August: Kieler Förde – Marstal
Bevor wir den Urlaub starten, versorgt uns Jürgen: Mit frisch gefangenen Schollen schickt er uns auf den Weg nach Dänemark, das Abendessen ist gesichert. Wegen angesagter Sturmböen setzen wir die kleine Fock und legen das zweite Reff ins Groß ein – dann segeln wir durch bis Marstal. Wir finden einen schönen Liegeplatz und begrüßen abends bei frischer Scholle Birgit und Jürgen an Bord.

Rund Rügen

Ende Mai 2020 gelten in Deutschland noch strenge Corona-Regeln, der erste Pandemie-Sommer steht bevor – und für uns der erste Törn mit der Serendi. Wir entscheiden uns spontan für eine Reise nach und rund Rügen, um das Boot kennen zu lernen. Am Ende finden sich 351,5 Seemeilen auf der Logge und tolle Erinnerungen im Gepäck.

Im Herbst 2019 hatten wir die Serendi gekauft, getauft und ins Winterlager nach Fehmarn gebracht. Über Corona sprach damals niemand, wir freuten uns aufs Segeln. Auch noch im März 2020, als wir die Serendi im Winterlager für die Saison vorbereiteten. Doch kaum rollten wir mit dem Auto über die Fehmarnsundbrücke aufs Festland, erreichte uns die Nachricht, dass die Insel aus Pandemie-Gründen gesperrt wurde. Bis 13. Mai galt die Sperre, dann nutzten Roland und sein Freund Öli die Chance: Sie warfen die Serendi ins Wasser und steuerten sturmbedingt nicht den Heimathafen in Kiel, sondern Wismar an. Von dort aus starteten wir schließlich nur neun Tage später unseren ersten Törn, der dann gleich bis 5. Juni dauerte.

5. Juni: Kiel Strande – Heimathafen Kiel

Endlich: Wir liegen fest im Heimathafen an der Förde und lernen auch gleich das besondere Gefühl kennen, eine Heimat fürs Boot gefunden zu haben. Stegnachbar Frank nimmt die Leinen an, begrüßt uns mit großer Herzlichkeit, und Anne versorgt uns am Abend mit den dringend benötigten Ersatzteilen für den Traveller. Warm, trocken und satt von den Resten aus der Bordküche endet dieser wunderbare Törn mit vielen Lernkurven.

4. Juni: Heiligenhafen – Kiel Strande
Der Wind lässt etwas nach, als wir Heiligenhafen verlassen. Doch dafür holt uns ein dickes Regengebiet ein. Weiträumig umfahren wir das Schießgebiet vor Hohwacht, eine Militärkontrolle brauchen wir nach diesen stressigen Stunden nicht. Kurz vor der Einfahrt in die Kieler Förde durchqueren wir das Verkehrstrennungsgebiet, ohne wirklich etwas sehen zu können. Gegen 18.30 Uhr liegen wir fest im Hafen. Durchatmen, trocknen, essen. Mehr geht nicht an diesem Abend nicht.

3. Juni: Timmendorf – Heiligenhafen

Perfektes Wetter herrscht an diesem Tag: Der Wind weht aus West, die Sonne scheint, die Logge spult Seemeile um Seemeile ab. Zumindest bis zur Fehmarnsundbrücke fühlen wir perfektes Segelfeeling. Doch kurz vor dem Fahrwasser nach Heiligenhafen legt der Wind zu und wächst sich zu einem Sturm aus. Gerade als wir in eine Box steuern wollen, drängelt sich ein anderes Boot vor – aber Roland legt den Gashebel auf den Tisch und sichert den Liegeplatz. Die anderen drehen ab und in eine andere Box, allerdings so hektisch, dass sie deren Größe überschätzen und stecken bleiben. Wir kämpfen indes mit Stegnachbarn darum, das Boot sicher zu vertäuen. Es gelingt mit vereinter Kraft und erstmals dank der Winschen.

2. Juni: Hafentag in Timmendorf

Endlich wieder auf Poel, der Insel, auf der Antje die Sommer ihrer Kindheit verbracht hat. Wir fahren mit den Rädern nach Schwarzer Busch und Kirchdorf, essen frischen Dorsch, baden im rattenkalten Ostseewasser und stellen fest, dass unser Liegeplatz als Hotspot derjenigen gilt, die den Sonnenuntergang bewundern. Nix mit der Ruhe, die wir erwartet hatten. Dafür sitzen wir in der ersten Reihe, als die Sonne in leuchtenden Farben untergeht.

1. Juni: Warnemünde – Timmendorf

Crew unverletzt, Boot heil: Dieser Spruch bekommt heute eine besondere Bedeutung, nachdem Antje beim Anlegen den Luv-Pfahl verpasst und ein Missgeschick droht. Aber ein aufmerksamer Nachbarlieger bemerkt das Malheur, nimmt die Leinen von seinem Boot aus an und sichert so den Abend nach einem wunderschönen Segeltag, der uns am Kirchturm von Rerik und dem Salzhaff von Boiensdorf vorbeigeführt hat.

31. Mai: Lohme – Warnemünde

Dieser Tag prägt sich ein: Mit einem lauten Knall fliegt uns in der Mittagszeit die Großschot aus dem Traveller, um die Ohren und dann raus aufs Wasser. Denn wir segeln seit dem frühen Morgen mit achterlichem Wind in Richtung Westen, zumeist im Schmetterling, die rollenden Wellen sorgen zudem für einen fragilen Zustand. Dann steuert Antje falsch, die Patenthalse folgt – und der Traveller fliegt. Roland sichert mit Leinen die Großschot, dann segeln wir weiter in den Alten Strom von Warnemünde und verewigen die Serendi am Holzsteg. Weil die Box deutlich kürzer als erwartet ist, setzt Roland zu spät zum Bremsen an. Das übernimmt der Steg, die Serendi reagiert glücklicherweise sehr gutmütig. Wir auch – mit Gin Tonic und Blick auf den Hafen.

30. Mai: Hafentag Lohme

Wir nutzen den Tag für eine Wanderung zum Königsstuhl, quer über Stock und Stein geht es immer bergauf. Dann stehen wir unerwartet auf dem Plateau und genießen den Ausblick mit vielen anderen Gästen. So viele Menschen sind wir gar nicht mehr gewöhnt, deshalb suchen wir schnell das Weite. Unsere Vorräte können wir im Dorfladen nicht auffüllen, es gibt weder Reibekäse noch frisches Gemüse. Dafür Bio-Vollkornbrot, das leider wie Presspappe schmeckt.

29. Mai: Thiessow – Lohme

Eine wunderschöne Landschaft zwischen Ostsee und Bodden verlassen wir – in dem Wissen: Thiessow hat uns nicht zum letzten Mal beherbergt. Allerdings lässt uns auf dem Weg nach Lohme der Wind im Stich, sodass wir nicht Saßnitz, sondern Lohme ansteuern. Vorbei an den Kreidefelsen geht es, und dann überrascht uns Rügen mit einem ungewöhnlichen Hafen. Hoch reckt sich die Steilküste vom Hafen aus, eine Seilbahn dient dem Transport von Waren – Menschen müssen die Treppen steigen. Wir klettern hoch in abgerissenen Segelklamotten und erhalten dennoch, ausgesprochen charmant und gastfreundlich, ein nicht auf der Karte stehendes Eis auf die Hand im Panorama-Hotel.

28. Mai: Glewitzer Wiek – Thiessow

Wetter findet draußen statt, nicht im Internet: Dieser Spruch bewahrheitet sich heute, als wir in der Glewitzer Wiek den Anker lichten (die Leinen jetzt in schlammgrau) und eigentlich in Richtung Saßnitz starten. Doch der Wind bläst aus Nord/Nordost, die ETA liegt in der Mittagszeit bei 21 Uhr. Uns ist das zu spät, und wir entscheiden uns, Thiessow anzusteuern. Dafür passt die Windrichtung, die Sonne scheint, und die Laune steigt – bis Antje einmal über den Tonnenstrich steuert und das Boot kurzzeitig auf Grund setzt. Ein kurzer Rückwärtsschub, dann schwimmt die Serendi wieder und wir erreichen den Hafen mit eigenem Charme gut gelaunt. Hier fehlen die bunten Häuser dänischer Häfen, dafür gibt es herzliche Sprüche vom Hafenmeister und viel Ruhe.

27. Mai: Stralsund/Wemper Wiek – Glewitzer Wiek

Wir nutzen den Tag dafür, uns Stralsund anzuschauen und legen dafür im Yachthafen an. Dumm nur, dass der Hafenmeister wegen der Corona-Pandemie die Wasserschläuche abgebaut hat. Unser Tank ist fast leer, doch es nützt ja nix. Nach dem Stadtrundgang tuckern wir unter Motor in das Wemper Wiek – vorbei an Untiefen, Kormoranen und Schwänen – direkt in den Sonnenuntergang hinein. Ein Bilderbuchtag.

26. Mai: Barhöft – Stralsund

Sonnenschein, frische Brötchen, Ostsee-Baden, heiße Dusche, Frühstück an Deck: Mehr Urlaub geht nicht. Erstmals legt Antje ab (unfallfrei!), Roland übernimmt dafür das Tanken. Bei dem Stopp wollen wir die kleine Fock gegen die Genua tauschen und stellen dabei fest, dass der Voreigner sie falsch aufgerollt hat. Nach dem defekten Landstromkabel droht die nächste Reparatur, die verschieben wir aber. Kurz vor Stralsund schmeißen wir den Motor an und tuckern unter der Klappbrücke hindurch zu eine idyllischen Ankerplatz. Baden beim Sonnenuntergang vor der Skyline von Stralsund – was brauchen Wasserfreunde mehr?

25. Mai: Warnemünde – Barhöft

Vier Stunden später als geplant, gegen 11 Uhr, legen wir in Warnemünde ab, zuvor stürmt es so stark, dass wir das Ablegen verschieben und das Frühstück ausdehnen. Doch offenbar verausgabt sich der Sturm in den Mittagsstunden: Gegen 16 Uhr weht noch nicht mal mehr ein laues Lüftchen, und wir müssen auf fossile Brennstoffe statt Wind setzen. Aus dem Auspuff steigt weißer Rauch und sorgt für kurzzeitige Unruhe an Bord. Aber offenbar verbrennt „nur“ das Kondenswasser, das sich im Winterlager im Tank gesammelt hatte. Gegen 20 Uhr liegen wir fest am Fingersteg in Barhöft und genießen die heiße Dusche (wir hätten sie noch mehr genossen, wenn wir gewusst hätten, dass nur MV die sanitären Anlagen in der Pandemie geöffnet hatte ;))

24. Mai: Hafentag Warnemünde

Sturm, Regen, Böen: Ein Tag für die Kuchenbude. Wir lesen und schauen aus den Fenstern zu, wie der Nachwuchs des ortsansässigen Segelclubs trotz des ungemütlichen Wetters das Training absolviert. Unterdessen testen wir die Heizung (funktioniert), nur der Schlüssel für den Kamin gilt als vermisst. Ihn hat Roland versenkt. Und wir führen Kultur an Bord ein, nachdem wir in einem bislang unbekannten Schapp unsere LED-Kerzen entdeckt haben.

23. Mai: Boiensdorf – Warnemünde

Der Tag beginnt mit einem Schrecken: Der Wind hat über Nacht gedreht und das Boot in den Sand geschoben. Nun stecken wir fest und müssen entscheiden, erst die Brötchen und dann Rettungsversuch oder umgedreht. Antje verzichtet auf frisches Koffein, und so tuckern wir langsam ins tiefere Wasser des Salzhaffs – das Frühstück schmeckt danach auch besser. Digital grüßen Kristina, Olli und Kilian, dann geht es in Richtung Warnemünde. Im Schmetterling kommen wir gut voran und machen gegen 17.30 Uhr am Alten Strom fest.

22. Mai: Wismar – Boiensdorf

Eigentlich lautet unser Ziel: Poel. Doch dann kommt alles anders als gedacht, als Kristina, Olli und Kilian uns an Bord besuchen und eine Kiste mit Proviant vorbeibringen. Ihr Wohnwagen steht in Boiensdorf, und so entscheiden wir uns, ihnen einen Besuch abzustatten. Im Schmetterling segeln wir an Poel vorbei, hinein ins Salzhaff. Als der Anker fällt, befinden sich zehn Zentimeter Wasser unterm Kiel. Reicht, oder? Nur wenige Minuten später holt uns Olli mit dem Stand-Up-Paddel ab, im Badezeug nehmen wir Platz und lassen uns im Dauerregen über die rattenkalte Ostsee chauffieren. Retour geht es in tiefster Dunkelheit, wie gut, dass wir zur Orientierung eine Lampe an Bord eingeschaltet hatten.